Klimabarometer – ist die Luft raus?

Interview mit Klimamanagerin Frau Brach, Gemeinde Windeck
Christine Brach

Am 26.02.2016 besuchte Frau Brach die EKK Geschäftsstelle in Hennef. Wir haben mit Ihr ein kurzes Interview zu den ambitionierten Zielen zur Treibhausgasreduktion (bis 2020 um 40 % und bis 2050 um 80-95 %) geführt.

EKK: Wie soll das in der Gemeinde Windeck, dem Rhein-Sieg-Kreis (und Bonn) funktionieren?

Fr. Brach: In den kommunalen Klimaschutzkonzepten werden die Maßnahmen zur CO2-Einsparung ja in der Regel aufgezeigt. Vor allem bei investiven Maßnahmen gerät man da angesichts der finanziellen Situation vieler Kommunen natürlich schnell an Grenzen, außer-dem liegen die CO2-intensiven Sektoren Gebäude und Verkehr nur zu einem geringen Teil im Einflussbereich einer Kommune. In Windeck konzentriert man sich daher u.a. auf den eigenen Gebäudebestand und hier vorrangig auf die 7 Schulstandorte, mit deren energetischer Sanierung sowohl Verbräuche reduziert werden als auch erneuerbare Energien zum Einsatz kommen können.

EKK: Was müsste denn passieren, damit diese Klimaschutzziele erreicht werden in der Gemeinde Windeck?

Fr. Brach: Bezüglich der oben genannten Bereiche ist es für eine Gemeinde ohne finanzielle Förderung fast unmöglich, große Schritte zu machen. Etwas anders sieht es bei erneuerbaren Energieprojekten aus, hier ist die Gemeinde z.B. eher in der Pflicht, planungsrechtli-che Voraussetzungen zu schaffen. Da ist man in Win-deck auf einem guten Weg.
Abgesehen davon darf man nicht vergessen, wie wichtig die Vorbildfunktion der Gemeinde beim Klimaschutz
ist und dass es darauf ankommt, diesen dauerhaft „in den Köpfen“ zu verankern. Hier setzen wir sowohl auf erprobte als auch innovative Konzepte zum sparsamen Umgang mit Energie im beruflichen und pri-vaten Alltag, auf Beratungs- und Informationsange-bote sowie auf Veranstaltungen und Aktionen.

EKK: Was läuft gut – was fehlt?

Fr. Brach: Als sehr positiv sehe ich die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeindeverwaltung und den gut funktionierenden Austausch mit den Klimaschutzakteuren nicht nur im Rhein-Sieg-Kreis. Bei der Viel-zahl der Instrumentarien, die es zum Thema Klima-schutz mittlerweile gibt, läuft man ohne Austausch und Kooperation mit den Kollegen Gefahr, als Einzelkämpfer ständig „das Rad neu erfinden zu müssen“, was bei einer i.d.R. auf 3 Jahre befristeten Tä-tigkeit der Klimaschutzmanager noch mehr zu Bu-che schlägt.
Das betrifft im Übrigen sämtliche Verwaltungsebe-nen und Nicht-Verwaltungs-Institutionen, da auch hier Akteure am selben Thema arbeiten, ohne vonei-nander zu wissen.

EKK: Nach welchem Plan wird in Windeck vorgegangen?

Fr. Brach: Für die Schulstandorte gibt es einen Sa-nierungsfahrplan in den kommenden Jahren, mit dem Teilklimaschutzkonzept „Eigene Liegenschaf-ten“ werden weitere Gebäude untersucht und die Basis für das künftige Energiecontrolling geschaffen. Die in Kooperation mit dem EKK angebotene (und gut angenommene) kostenlose Gebäudeenergieberatung läuft seit April letzten Jahres, für die Aktion „Klima-KiTa NRW“ hoffe ich dieses Jahr weitere Kindertagesstätten gewinnen zu können. Maßnahmen im Bereich Nutzerverhalten (mission-E, EnergieScout) sind ebenso vorgesehen wie Öffentlichkeitsaktionen und Informationsveranstaltungen und last but not least stehen die Optionen / der Einsatz von erneuerbaren Energien, KWK bzw. Energieeffizienz auf dem Programm.

EKK: Wie können die Aktivitäten auf regionaler Ebene besser gebündelt und koordiniert werden?

Fr. Brach: Indem zum einen ein Austausch zwischen möglichst vielen Akteuren zu einem Thema stattfindet, wie die regelmäßigen Treffen der Klimaschutzmanager beim Rhein-Sieg-Kreis als gutes Beispiel belegen (daraus können sich auch Erfahrungskreise im kleineren oder thematischen Rahmen entwickeln), zum anderen geschaut wird, wie die Beteiligten einander unterstützen, voneinander lernen und ihre Ressourcen gemeinsam nutzen können.

EKK: Wer sollte an einem „Modularen Master-plan“ für die Region mitwirken?

Fr. Brach: Da müssen eigentlich, wie schon angedeu-tet, alle Beteiligten an einem Strick ziehen – und ich stimme Ihnen zu, wenn Sie sagen, dass Kommunen, Verwaltungen, Unternehmen, Bürger, Vereine, Institu-tionen und regionale Einrichtungen zusammen daran arbeiten müssen. Es ist wichtig, die Kompetenzen und Strukturen aller zusammen zu fügen, um das gemeinsame Ziel für den Klimaschutz zu erreichen. 

Christine Brach,
Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Windeck